Einen Tag vorher, am 22.02.2012, sollte die Roma-Familie Saciri in den Kosovo abgeschoben werden.
Die 48 Jahre
alte Mutter und Witwe Bahtija Saciri und ihre drei Kinder im Alter
von 15, 16 und 18 Jahren mussten untertauchen, um der Abschiebung zu
entgehen. Kein Verantwortlicher, der die Neonazimorde betrauerte,
bemüßigte sich, die Göttinger Ausländerbehörde zum Einlenken zu
bewegen.
"Die
Familie Saciri kam nach Angaben von Unterstützern 1993 nach
Deutschland, die Kinder wurden in der Bundesrepublik geboren. 1999,
kurz vor Beginn der NATO-Angriffe auf Jugoslawien, kehrte die Familie
ohne den inzwischen verstorbenen Vater in den Kosovo zurück. Wegen
der Diskriminierung und Verfolgung von Roma flohen die Saciris 2003
erneut nach Deutschland. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. `Sie
hangelten sich neun Jahre von Duldung zu Duldung`, erklärt Stefan
Klingbeil vom Göttinger Arbeitskreis Asyl. Am 13. Februar erhielt
die Familie die Aufforderung zur Ausreise", schreibt Reimar
Paul am 24.02.2012 in der Tageszeitung "junge welt".
Anfang Januar
2011 verstarb im Kosovo die 47jährige Roma Borka T. Sie war in den
Morgenstunden des 7. Dezember 2010 gemeinsam mit ihrem Ehemann und
dem 14-jährigen Sohn Avdil von der Polizei in ihrer Wohnung in Mayen
bei Koblenz abgeholt worden. "Ihnen
blieben 30 Minuten, um zu packen – eine ganz gewöhnliche
Abschiebung. Die Fahrt ging zum Flughafen Düsseldorf, dort wurde T.
von einem Arzt untersucht. Es ging dabei nicht um die
Posttraumatische Belastungsstörung und die Depression, die ihr
attestiert worden waren, nicht um Medikamente – gefragt war nur
ihre Reisetauglichkeit. Kurz darauf startete der Flug nach Pristina,"
schreibt die FR
am 12.01.
Der jetzt
untergetauchten Frau Saciri wurde die Reiseunfähigkeit bescheinigt,
sie war wegen Verdachts auf Herzinfarkt im Krankenhaus.
Was ist von
Gedenkenden zu halten, die gleichzeitig Abschiebungen betreiben, die
nicht selten den Tod des Flüchtlings zur Folge haben?
Nach der
Dokumentation der ARI – anti-rassistische-Initiative kamen seit
zwischen 1993 und 2010 32 Flüchtlinge nach ihrer Abschiebung in
ihrem Heimatland zu Tode, während 71 Flüchtlinge spurlos
verschwanden. Weitere 529
Flüchtlinge wurden der Dokumentation zufolge im Herkunftsland von
Polizei oder Militär misshandelt und gefoltert oder kamen
aufgrund ihrer schweren Erkrankungen in Lebensgefahr.
(ARI weist darauf hin, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs bilden - es handelt sich um einige von NGOs oder amnesty dokumentierte Einzelfälle. Die Dunkelziffer ist hoch.)
Das bedeutet wenigstens 32 durch die staatliche Abschiebepraxis direkt verursachte Todesopfer. Der von einem Nazi erschossene Ausländer und der in seinem Heimatland nach der Abschiebung erschossene, verhungernde, mangels Medikamente sterbende Flüchtling - ist das Unrecht im ersten Falle tatsächlich so viel größer als im zweiten Falle? Oder könnte man sagen, der Nazi beging einen absichtlichen Mord, während der Staat bedingt vorsätzlich bzw. fahrlässig tötete? Kanzlerin Merkel jedenfalls verurteilte in bewegenden Worten die Morde, zeichnet aber weiter verantwortlich für die mittels Abschiebungen begangenen Tötungen.
(ARI weist darauf hin, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs bilden - es handelt sich um einige von NGOs oder amnesty dokumentierte Einzelfälle. Die Dunkelziffer ist hoch.)
Das bedeutet wenigstens 32 durch die staatliche Abschiebepraxis direkt verursachte Todesopfer. Der von einem Nazi erschossene Ausländer und der in seinem Heimatland nach der Abschiebung erschossene, verhungernde, mangels Medikamente sterbende Flüchtling - ist das Unrecht im ersten Falle tatsächlich so viel größer als im zweiten Falle? Oder könnte man sagen, der Nazi beging einen absichtlichen Mord, während der Staat bedingt vorsätzlich bzw. fahrlässig tötete? Kanzlerin Merkel jedenfalls verurteilte in bewegenden Worten die Morde, zeichnet aber weiter verantwortlich für die mittels Abschiebungen begangenen Tötungen.
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